Georg Friedrich Händel - Messiah

 

Einführung zum Konzert am 7. Dezember 2008

Georg Friedrich Händels Talent wurde früh entdeckt: 
Der Herzog von Sachsen-Weißenfels überredet 1693  seinen eher unmusikalischen Leibarzt Georg Händel, dessen achtjährigen Sohn musikalisch zu fördern. Mit der Ausbildung in Komposition und verschiedenen Instrumenten bei Friedrich Wilhelm Zachow werden somit die Weichen für Händels lebenslanges Schaffen gestellt.

Als 17-jähriger übernimmt er den Organistenposten im Dom seiner Geburtsstadt Halle, doch schon ein Jahr später zieht es den jungen Mann in die Ferne: In Hamburg spielt er im Opernorchester und erlebt 1705 dort die Uraufführung seiner ersten Opern.
Ab 1706 begibt sich der junge Komponist auf eine Studienreise nach Italien, komponiert Opern, zwei Oratorien und kleinere Werke, bis Kurfürst Georg Ludwig von Hannover, der spätere König Georg I. von Großbritannien und Irland, den Musiker 1710 als Kapellmeister nach Hannover holt.
Händel bleibt nicht lange dort – noch im selben Jahr reist er nach London, wo er mit Ausnahme weniger Reisen bis zu seinem Lebensende bleiben wird. Dort stürzt er sich fast ausschließlich in die Oper, wird musikalischer Direktor an der Königlichen Opernakademie, erlebt Erfolge und die finanzielle Niederlage. 
1733 bilden sich rivalisierende Operngesellschaften, die Händel nicht nur in den finanziellen Bankrott treiben, sondern ihm auch gesundheitlich schaden: Nach einem Schlaganfall 1737 muss der Musiker eine Zwangspause einlegen und komponiert schließlich 1741 seine letzte Oper.
Im gleichen Jahr tritt die Komposition von Oratorien, der er bereits in Italien sowie 1732/33 kurze Aufmerksamkeit gewidmet hatte, in den Vordergrund (s. unten). Zwischen den Jahren 1743 und 1752 komponiert Händel ein bis zwei Oratorien pro Jahr und schafft eine neue Kunstform: er verbindet Elemente des englischen Plays, des klassischen französischen Dramas, der deutschen Kirchenkantate und der italienischen Oper und schafft eine neue Form des musikalischen Dramas, losgelöst von Kostümen und Kulissen, mit schnellen Szenen- und Affektwechseln und der Aufwertung des Chors als wesentlicher Bestandteil und Träger der Handlung. Thematisch wählt er Geschichten aus der Bibel, der Legende und des antiken Mythos.

1751 machen sich erste Anzeichen von Erblindung bemerkbar, die auch durch Operationen nicht aufgehalten werden können. Trotz Blindheit arbeitet Händel bis zu seinem Tod weiter, komponiert, spielt Orgel zwischen den Akten der Oratorien, improvisierend oder aus dem Gedächtnis.
Im stolzen Alter von 74 Jahren stirbt Georg Friedrich Händel am 14. April 1759 und wird in der Westminster Abbey beigesetzt.

Entstehung des Messias

For the Relief of the Prisoners in the several Gaols, and for the Support of Mercer’s Hospital in Stephen’s Street and of the Charitable Infirmary on the Inns Quay, on Monday the 12th of April (…), will be performed at the Musick Hall in Fishamble Street, Mr. Handel’s new Grand Oratorio, call’d the MESSIAH, in which the Gentlemen of the Choirs of both Cathedrals will assist, with some Concertoes on the Organ, by Mr Handell.

Hilfe für Strafgefangene und Unterstützung der Armenkrankenhäuser – zu diesem Anlass war Händel auf Einladung des Vizekönigs von Irland 1742 nach Dublin gekommen, um das Oratorium Messias in einem Benefizkonzert uraufzuführen. In gerade 24 Tagen, vom 24. August bis 12. September 1741 hatte Händel die Partitur – zum Teil unter Verwendung früherer Stücke – niedergeschrieben und beendete damit die langjährige und von vielen Tiefschlägen gezeichnete Arbeit im Opernfach. Der Erfolg war groß, auch wenn die Londoner Gesellschaft das Oratorium zuerst zögerlich aufnahm und sogar als blasphemisch verurteilte: Bibelzitate als Abendunterhaltung und noch dazu Messias als Titel? Unmöglich, und so wurde die erste Londoner Aufführung lediglich mit dem Titel  „A New Sacred Oratorio“ angekündigt.
Bis zu seinem Tod 1759 hat Händel den Messias oft dirigiert und je nach aktuellem Anlass geändert. So wurde das Oratorium immer in der Osterzeit aufgeführt, in Dublin auch in der Adventszeit, wo nur der erste Teil und das Halleluja als Abschluss gespielt wurde.

Eine Woche vor seinem Tod saß der inzwischen erblindete Komponist zum letzten Mal in einer Messias-Aufführung an der Orgel.

Am 15. April 1772, fast auf den Tag 30 Jahre nach der Uraufführung und 13 Jahre nach Händels Tod, fand die deutsche Erstaufführung in Hamburg statt – in englischer Sprache und mit einem englischen Dirigenten.

Drei Jahre später dirigierte Carl Philipp Emanuel Bach – wiederum in Hamburg – die erste deutschsprachige Fassung von Klopstock und Ebeling. Diese hörte wohl der Dichter Johann Heinrich Voß. Begeistert, ergriffen und überwältigt berichtet er davon:

„Vorigen Sonntag fuhr ich mit Claudius nach Hamburg, um Händels 'Messias' anzuhören ...o Himmel! welche Musik. Es sind lauter biblische Sprüche vom Messias, die Händel nach der Folge der Geschichte geordnet und in Musik gesetzt hat ... nichts kam an die Chöre ... ich hätte durch die Wolken fliegen mögen."

Die Handlung des Messias
Das Oratorium besteht aus drei Teilen.

Der Erste Teil schildert mit Texten vorwiegend des Alten Testaments die Verheißung von Christi Geburt. Er beginnt mit der Tröstung der Wartenden und endet mit der Geburt Christi.

Die Ouvertüre zeigt die Stimmung der Zeit, ehe der Messiasgedanke auf die Welt kam. Ihrem dunklen Ende in e-moll folgen tröstende Worten des Propheten Jesaja. Die Welt macht sich zum Empfang des Herrn bereit, der Chor „Und die Herrlichkeit Gottes des Herrn wird offen­bart“ gibt der Freude Ausdruck, mit welcher die Völker die Botschaft der Ankunft des Herrn entgegennehmen.

Mit dem Baß-Accompagnato „So spricht der Herr“ setzt die ernstere Seite der Adventszeit ein. Die Menschheit wird gemahnt, sich der Ankunft des Messias würdig zu erweisen und Buße zu tun. Beklommen wird gefragt: „Doch wer kann bestehen am Tag seiner Ankunft?“ Der Chor „Und er wird die Söhne Levis reinigen“ zeigt das Bild eines Gottes, der im Feuer über die Erde fährt, um die Menschheit zu läutern.

‚Danach wird der Schauplatz der Ankunft des Herrn betreten: „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären“. Von immer neuen Punkten beginnt die Wanderung des Volkes im Dunkeln; immer wieder sehen sie das „große Licht“ – ein Symbol für den verheißenen Messias. Mit dem folgenden Chor „Denn es ist uns ein Kind geboren“ gibt Händel der vormessianischen Zeit, deren Charakter von Hoffen und Bangen geprägt war, einen mächtigen Freudenschluss. Die Hirten kommen, die Engel stimmen ihr Gloria an: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“.

Die Lebens- und Lehrzeit Jesu wird nur sehr kurz behandelt. Christi Wun­dertaten auf der Erde erscheinen in einem kurzen Rezitativ: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird singen“. Es folgt das Bild vom guten Hirten, der seine Lämmer auf den Armen trägt. Im Mittelteil der Arie „Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte“ ruft die Johannesstimme „Nehmt auf euch sein Joch und lernt von ihm“, worauf der Chor antwortet: „Sein Joch ist sanft und seine Last ist leicht“.

Der Zweite Teil des Messias stellt die Leidensgeschichte Christi dar und vollendet sich mit seiner Auferstehung. Das berühmte „Halleluja“ mit Worten aus der Offenbarung bekräftigt den Sieg des Christentums.

Der Dritte Teil des Messias bekräftigt die Erkenntnis der Erlösung. Obwohl die Leidensgeschichte in der Mitte des Werkes steht, betont Händel das Heil, das aus diesem Leiden entsteht: Durch Christi Tod ist dem Tod die Macht genommen, durch seine Auferstehung auch uns ein ewiges Leben geschenkt worden! Der Sopran singt in christlicher Zuversicht und Hingebung „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt ... Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten, der Erstgeborene jener, die schlafen“. Der Chor bekräftigt den Gedanken mit neuen Worten. Nach dem Accompagnato „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: wir werden nicht entschlafen, sondern wir werden alle verwandelt werden“ folgt die Bassarie „Sie schallt, die Posaune“, die das Jüngste Gericht als einen Tag der Freude darstellt.

Der Schlusschor verherrlicht das Opferlamm „Würdig ist das Lamm, das erschlagen wurde und uns losgekauft hat bei Gott durch sein Blut...Segen und Ehre, Ruhm und Stärke gebührt ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm, auf immer und ewig“, welcher mit einer von sieghafter Glaubensgewissheit getragenen Amenfuge beschlossen wird. 

                    Susanne Mann

 

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