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Einführung Kirsch: Hymnen an die Nacht 2016

Gedanken zu meinen "Hymnen an die Nacht " op. 30 

Eine Melodie kann ein Weg zur Seele sein. Für mich ist vor allem der Klang ein Schlüssel dazu. Klänge können in uns für Momente ganz persönliche Erinnerungen wach rufen, so wie Düfte es vermögen, manchmal nur als kurze flüchtige Ahnungen und Einblicke in längst im Dunkel der Zeit scheinbar der Vergessenheit anheimgefallene individuelle Sinneswahrnehmungen, die plötzlich wie aus dem Nichts wieder aufblitzen.  Auch Visionen oder Seelenzustände wie Trauer und Freude, Ängste und Trost können durch Klänge tief in unserem Inneren zum Schwingen gebracht und hervorgeholt werden. 

Worte können meines Erachtens dazu als Boten dienen. Was liegt näher, als beides miteinander zu verbinden? Dies erklärt für mich die bis heute um nichts geschmälerte Beliebtheit und Aktualität großer Chor- und Orchesterwerke. Novalis' „Hymnen an die Nacht“ sind für mich solche verbalen Boten. Die Verse haben mich vom ersten Lesen an entführt, in eine Welt voller tiefer Gefühle, quälender Lebensfragen nach dem Sinn und den Wegen unseres Daseins, Bilder eines Diesseits sowie Trost spendenden hoffnungsvollen Phantasien als mögliche Antworten auf ein Jenseits. 

Auf der Suche nach weiteren solcher mich tief berührenden „Boten“ begegneten mir die „Wort-klang-seelen-welten“ der Gedichte von Georg Heym und Else Lasker-Schüler, bei Heym in seiner teils dramatisch deklarierenden expressionistischen Ausdrucksweise, bei Lasker-Schüler in Form von Gefühlswogen, die einem bereits zwischen wenigen Worten entgegenfluten. 

Ich erkannte diesen Hintergrund auch in mir längst vertrauten Bibeltexten auf eine neue Art, und tiefere Gedanken- und Gefühlswelten taten sich mir beim erneuten Lesen einiger Passagen der Heiligen Schrift auf. In diesem Moment wurde die Idee geboren, die Texte miteinander zu kombinieren und in Klängen zusammen zu fassen. Sprechen doch alle Texte eine gemeinsame Seelensprache, aus dem Wunsch heraus, Trost zu empfangen, Trost auf der Suche nach Überwindung des Isoliertseins, nach Geborgenheit und Nähe, nach Einswerden mit „Gott“ oder einem geliebten Menschen, auch wenn dazu die Überwindung der Grenzen des Todes nötig ist – der Wunsch nach Frieden im tiefen Inneren. 

Das Werk kann als eine Art Requiem verstanden werden und ist meiner Mutter in liebevollem Gedenken gewidmet. Meine langjährige Zusammenarbeit mit dem Paul-Gerhardt-Chor Laim in München unter der Leitung von Ilse Krüger-Kreile, bei deren Konzerten mit ausgesprochen selten aufgeführten Chor- und Orchesterwerken ich als Oboist wunderbare Erfahrungen sammeln und unvergessliche Momente erleben durfte, inspirierte mich nicht zuletzt zu dieser eigenen Komposition. Somit ist das Werk auch dem Chor und seiner Leiterin gewidmet, die es 2014 zur Uraufführung gebracht hat.

Dirk-Michael Kirsch

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